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Beiträge zu Strom, Eigenheim und Garten

Wie junge Familien den Traum vom Eigenheim verwirklichen

Baukosten, Handwerkermangel und Eigenleistung: welche Stellschrauben jungen Familien beim Hausbau tatsächlich bleiben.

Junges Paar steht im unverputzten Rohbau und blickt zum offenen Dachstuhl
Junges Paar steht im unverputzten Rohbau und blickt zum offenen Dachstuhl

Junge Familien, die heute bauen, stehen vor zwei Problemen gleichzeitig: Die Baukosten sind seit 2021 deutlich gestiegen, und viele Gewerke sind über Monate ausgebucht. Die Eigenleistung, im Bankdeutsch Muskelhypothek genannt, ist der Hebel, an dem sich am ehesten noch drehen lässt. Was sie tatsächlich bringt und wo sie aufhört, lässt sich ziemlich genau beziffern.

Was bedeutet Muskelhypothek, und wie bewertet die Bank sie?

Als Muskelhypothek zählt jede Arbeit am Bau, die Bauherren selbst erbringen, statt sie zu vergeben. Banken rechnen sie als Eigenkapitalersatz an, weil sie den Finanzierungsbedarf senkt. In der Praxis erkennen Kreditinstitute je nach Haus meist 10 bis 15 Prozent der Bausumme als Eigenleistung an, in Einzelfällen bis zu rund 30.000 Euro bei einem freistehenden Einfamilienhaus mittlerer Größe (Stand 2024).

Entscheidend ist, dass die Bank nicht die aufgewendete Zeit bewertet, sondern die ersparte Handwerkerrechnung. Wer eine Leistung übernimmt, für die ein Betrieb 8.000 Euro berechnet hätte, bringt 8.000 Euro ein, unabhängig davon, ob er dafür zwei Wochenenden oder zwei Monate braucht. Deshalb verlangen Banken vor der Zusage eine Aufstellung, welche Gewerke konkret in Eigenleistung geplant sind.

Welche Gewerke eignen sich für Eigenleistung, welche nicht?

Die Grenze verläuft nicht entlang der Schwierigkeit, sondern entlang der Haftung. Arbeiten, die in die Gebäudesicherheit, in die Dichtheit der Hülle oder in geprüfte Anlagen eingreifen, bleiben beim Fachbetrieb. Alles, was danach kommt, ist grundsätzlich zugänglich.

Gut geeignet sind Malerarbeiten, das Verlegen von Bodenbelägen, Tapezieren, Fliesen in untergeordneten Räumen, der Innenausbau mit Trockenbauwänden, Dämmung der obersten Geschossdecke sowie Garten und Außenanlagen. Nicht geeignet sind Elektroinstallation, Gasinstallation, Dacheindeckung, Abdichtung der Bodenplatte und alle statisch wirksamen Bauteile. Elektroarbeiten dürfen ohnehin nur von eingetragenen Fachbetrieben abgenommen werden, Eigenleistung endet hier an der Verteilung.

Wie viel Zeit kostet die Eigenleistung tatsächlich?

Die häufigste Fehleinschätzung betrifft nicht das Können, sondern den Kalender. Als Faustwert gilt: Ein geübter Laie braucht für dieselbe Arbeit das Zweieinhalb- bis Dreifache der Zeit eines Handwerkers. Für den kompletten Innenausbau eines Einfamilienhauses mit 140 Quadratmetern bedeutet das je nach Umfang 600 bis 900 Arbeitsstunden.

Umgerechnet auf Feierabende und Wochenenden sind das bei zwei Personen rund acht bis zwölf Monate. Diese Zeit läuft parallel zur doppelten Belastung aus Miete und Kreditrate, und genau an dieser Stelle kippt die Rechnung bei vielen. Wer Eigenleistung einplant, sollte die Bauzeitverlängerung mit einkalkulieren und die Zwischenfinanzierung darauf auslegen.

Welche Fehler machen Eigenleistung teuer statt günstig?

Regelmäßig tauchen dabei drei Fehler auf. Der erste ist die falsche Reihenfolge: Wer den Estrich vor der abgeschlossenen Elektroinstallation einbringt, reißt ihn wieder auf. Der zweite betrifft die Gewährleistung. Für selbst erbrachte Arbeiten gibt es keine, und wenn eine Eigenleistung einen Folgeschaden an einem fremden Gewerk verursacht, kann der ausführende Betrieb seine Haftung dafür ablehnen.

Der dritte Fehler ist organisatorischer Natur. Fachbetriebe planen in Zeitfenstern. Wer seinen Teil nicht rechtzeitig fertig hat, verliert den Termin des nachfolgenden Gewerks und wartet dann häufig Wochen auf den nächsten. Aus ersparten 5.000 Euro werden auf diesem Weg schnell drei Monate zusätzliche Doppelbelastung.

Welche Absicherung gehört vor den ersten Handgriff?

Vor Baubeginn sind zwei Dinge zu klären. Erstens die Bauherrenhaftpflicht, die auch für helfende Familienangehörige gilt. Zweitens die Anmeldung von Helfern bei der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft. Wer unentgeltlich auf einer privaten Baustelle mithilft, ist gesetzlich unfallversichert, muss aber angemeldet sein. Die Anmeldung ist kostenfrei, das Versäumnis kann ein Bußgeld nach sich ziehen.

Dazu kommt die Dokumentation. Fotos vom Zustand vor dem Verschließen von Wänden und Decken kosten nichts und ersparen bei einem späteren Schaden die Diskussion darüber, wer welche Leitung wo verlegt hat.

Wann lohnt sich die Eigenleistung für eine junge Familie?

Die Rechnung geht auf, wenn drei Bedingungen zusammenkommen: Es gibt handwerkliche Erfahrung in der Familie oder im Freundeskreis, die Doppelbelastung aus Miete und Rate lässt sich über die verlängerte Bauzeit tragen, und die übernommenen Gewerke liegen am Ende der Kette, wo eine Verzögerung niemanden blockiert.

Fehlt eine dieser drei Bedingungen, ist der ehrlichere Weg, weniger Gewerke zu übernehmen und dafür verlässlich zu bleiben. Eine kleinere, sicher erbrachte Eigenleistung über 15.000 Euro ist für die Finanzierung mehr wert als eine geplante über 40.000 Euro, die den Zeitplan sprengt.

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